DBR: Deep Brain Reorienting
Auf dieser Seite erkläre ich Deep Brain Reorienting, kurz DBR, und wie ich einzelne Elemente daraus in meiner Praxis in Wuppertal nutze. Was ein Trauma ist und welche Reaktionen danach normal sind, erkläre ich ausführlich im Bereich Trauma verstehen.
Was ist DBR?
DBR ist ein traumatherapeutischer Ansatz des schottischen Psychiaters Frank Corrigan. Im Mittelpunkt steht eine Frage: Was passiert in den ersten Augenblicken, nachdem Sie etwas Bedrohliches bemerken, noch bevor Angst, Wut oder Schmerz deutlich spürbar werden? Diesen frühen Moment verfolgen wir bei DBR sehr langsam und in einer Dosis, die gut aushaltbar bleibt. Statt sofort zur bekannten Erzählung oder zum stärksten Gefühl zu springen, achten Sie darauf, was im Körper Schritt für Schritt geschieht.
Sie möchten wissen, ob meine Arbeitsweise zu Ihnen passt? Im kostenlosen telefonischen Erstgespräch klären wir das in Ruhe und unverbindlich.
Für wen DBR infrage kommt
DBR wurde vor allem bei Menschen mit Posttraumatischer Belastungsstörung untersucht. Corrigan beschreibt es außerdem für die Folgen belastender Beziehungserfahrungen. Typische Anliegen sind:
• eine Posttraumatische Belastungsstörung
• starke Reaktionen auf bestimmte Auslöser, etwa bei Flashbacks und Triggern
• Schreck- oder Erstarrungsreaktionen, die sich schwer in Worte fassen lassen
• heftige Reaktionen auf Zurückweisung oder Kontaktabbruch
Wann zuerst etwas anderes nötig ist
Bei akuten Suizidgedanken, einer akuten psychotischen Krise oder einer schweren Suchterkrankung steht zunächst eine ärztliche oder psychiatrische Behandlung im Vordergrund. Wenn Sie aktuell Gewalt erleben, kontrolliert oder bedroht werden, geht Ihre Sicherheit vor. Eine psychotherapeutische Praxis ist kein Notdienst. Im Erstgespräch klären wir offen, ob meine Arbeit für Sie gerade passt oder ob eine andere Unterstützung sinnvoller ist.
Wie eine Behandlung abläuft
Einen starren Ablauf, den alle gleich durchlaufen, gibt es bei mir nicht. Die Schritte können sich überschneiden oder wiederholen. Meistens sieht der Weg aber ungefähr so aus:
1. Kostenloses Erstgespräch
Am Telefon klären wir in Ruhe, worum es Ihnen geht, ob meine Arbeitsweise zu Ihrem Anliegen passt und welche Fragen Sie haben. Das Gespräch ist kostenlos und unverbindlich.
2. Anliegen und Sicherheit klären
In den ersten Sitzungen klären wir, was Sie belastet, was Ihnen Halt gibt und wie Sie die Arbeit jederzeit verlangsamen oder unterbrechen können.
3. Den ersten Moment verfolgen
Ausgangspunkt ist ein konkreter Auslöser, etwa ein Blick, ein Geräusch oder ein Satz. Zuerst nehmen Sie den Raum um sich wahr. Dann achten wir auf den Moment, in dem die Erinnerung anspringt, und geben einer feinen Anspannung an Augen, Stirn oder Nacken Zeit. Erst danach schauen wir, ob Schreck, Schmerz oder Gefühle auftauchen. Ihre ganze Geschichte müssen Sie dafür nicht erzählen.
4. Abschluss und Alltag
Am Ende jeder Sitzung prüfen wir, wie gut Sie wieder im Hier und Jetzt sind, was sich verändert hat und was Sie für den restlichen Tag brauchen. Eine Sitzung kann auch ohne starke Gefühle sinnvoll sein.
Wie viele Sitzungen sinnvoll sind, hängt von Ihrem Anliegen ab. Tempo und Umfang passen wir gemeinsam an.
Wie ich Elemente aus DBR einsetze
Ich arbeite integrativ. Das heißt, ich verbinde Elemente aus verschiedenen Verfahren, statt eine Methode vollständig nach Lehrbuch anzuwenden. Aus DBR nutze ich vor allem den Gedanken, sehr langsam auf den ersten Moment einer Stressreaktion zu achten, statt gleich zum stärksten Gefühl zu springen. Je nach Anliegen verbinde ich das mit Brainspotting, Ego-State-Therapie oder EMDR.
DBR ist bisher wenig untersucht. Liegt eine PTBS vor, besprechen wir deshalb ausdrücklich, ob ein besser untersuchtes traumafokussiertes Verfahren wie EMDR sinnvoller ist. Welche Methode wir nutzen, entscheiden wir gemeinsam. 2027 bilde ich mich bei Frank Corrigan in DBR weiter.
Wie DBR entstanden ist
Frank Corrigan arbeitete zuvor mit Lisa Schwarz am Comprehensive Resource Model (CRM). Daraus entwickelte er DBR als eigenständiges Verfahren mit anderem Schwerpunkt: Statt eines Gerüsts aus Ressourcen steht die Abfolge der allerersten Reaktionen im Vordergrund. Die erste kontrollierte Studie zu DBR entstand gemeinsam mit Forschenden in Kanada und wurde 2023 veröffentlicht.
Orientierung, Schreck und Gefühl
Ein unerwartetes Geräusch oder ein abweisender Blick ziehen sofort Aufmerksamkeit auf sich. Augen, Kopf und Körper bereiten sich darauf vor, sich zuzuwenden oder auszuweichen. Erst danach werden Angst, Wut oder Schmerz deutlich. Im Alltag geht das viel zu schnell, um die einzelnen Momente zu unterscheiden.
DBR beschreibt diese Abfolge als Orientierung, eine feine Orientierungsanspannung, einen frühen Schreck und erst dann das Gefühl. Manche Menschen spüren den Schreck als inneres Zusammenzucken, Leere oder plötzliches Erstarren. Nicht jede Anspannung im Gesicht oder Nacken hat mit einem Trauma zu tun, und ob die heute gespürte Abfolge dem damaligen Erleben entspricht, lässt sich nicht sicher sagen.
Was bedeutet "Deep Brain"?
Corrigan ordnet die einzelnen Schritte bestimmten Bereichen tief im Mittelhirn und Hirnstamm zu. Diese Bereiche werden erforscht, die genaue Zuordnung der in einer Sitzung gespürten Empfindungen ist aber eine Hypothese und kein gemessener Befund.
Bei DBR werden keine Implantate, kein Strom und keine Geräte eingesetzt. Wir achten auf Ihr Erleben, Ihre Körperempfindungen und die Beziehung im Raum. "Deep Brain" beschreibt nur Corrigans Erklärungsmodell.
Bindung und Dissoziation
DBR bezieht sich nicht nur auf einzelne Schockerlebnisse. Auch eine Zurückweisung oder ein plötzlicher Kontaktabbruch durch eine wichtige Bezugsperson können starke körperliche Reaktionen auslösen. Eine heutige Reaktion auf Nähe oder Distanz lässt sich erkunden. Ein frühes Ereignis lässt sich daraus aber nicht sicher rekonstruieren.
Die Orientierungsanspannung soll als Anker dienen, schützt aber nicht sicher vor Überforderung. Wenn Sie innerlich wegtreten oder eine Erinnerung zu stark wird, verlangsamen wir oder wechseln das Vorgehen. Mehr Intensität ist kein Ziel der Arbeit. Bei schweren dissoziativen Störungen ist DBR nicht eigens untersucht.
Was DBR von ähnlichen Methoden unterscheidet
EMDR folgt einem festen Ablauf in acht Phasen und arbeitet bei der Verarbeitung meist mit Augenbewegungen. Brainspotting nutzt eine länger gehaltene Blickposition. DBR achtet dagegen auf eine feine Anspannung an Augen, Stirn oder Nacken und verfolgt, was danach geschieht.
Mit Somatic Experiencing teilt DBR die Aufmerksamkeit für feine Körperveränderungen und ein langsames Tempo. CRM hat gemeinsame Wurzeln, stellt aber ein Gerüst aus Ressourcen in den Mittelpunkt.
Wie gut ist DBR untersucht?
Eine randomisierte Studie von 2023 untersuchte 54 Menschen mit PTBS. Sie erhielten entweder acht DBR-Sitzungen per Video oder kamen zunächst auf eine Warteliste. In der DBR-Gruppe gingen die PTBS-Beschwerden deutlich stärker zurück, im Mittel um gut ein Drittel nach der Behandlung und um knapp die Hälfte drei Monate später.
Das ist ein ermutigendes erstes Ergebnis, aber nicht mehr. Die Gruppe war klein, verglichen wurde nur mit einer Warteliste, und Frank Corrigan gehörte selbst zum Forschungsteam. Ob DBR so gut wirkt wie bewährte Verfahren, ist offen. Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt bei einer PTBS traumafokussierte Verfahren wie EMDR, kognitive Verfahren, CPT, die Narrative Expositionstherapie und die Prolongierte Exposition. DBR gehört nicht zu diesen gut belegten Verfahren.
Kosten und Termin
Ich arbeite als Heilpraktiker in eigener Praxis. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht, private Versicherungen und Zusatzversicherungen erstatten je nach Tarif teilweise. Die aktuellen Honorare finden Sie unter Honorar. Für ein kostenloses telefonisches Erstgespräch erreichen Sie mich über das Kontaktformular.
Wenn Sie jetzt sofort Hilfe brauchen
Wenn Sie in akuter Gefahr sind oder daran denken, sich das Leben zu nehmen, rufen Sie bitte den Notruf 112 oder wenden Sie sich an die nächste psychiatrische Klinik. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. Eine psychotherapeutische Praxis ersetzt in einer akuten Krise keinen Notdienst.
Weiterlesen im Wissensportal Trauma
Wenn Sie sich in Ruhe weiter informieren möchten, finden Sie in meinem Wissensportal die wichtigsten Themen rund um Trauma verständlich erklärt.
• Trauma verstehen: alle Themen im Überblick
• Nach einem schlimmen Erlebnis: Was ist normal?
• Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
• Flashbacks und Trigger
• Dissoziation
• Komplexe PTBS
• Scham und Schuld
• Hilfe im Alltag: Grounding und Notfallkoffer
Häufige Fragen zu DBR
Muss ich bei DBR ausführlich über das Trauma sprechen?
Nein. Oft reicht ein konkreter Auslöser als Ausgangspunkt, etwa ein Blick, ein Geräusch oder ein Satz. Wie viel Sie erzählen, bestimmen Sie selbst.
Wird bei DBR das Gehirn stimuliert?
Nein. Es gibt keine Implantate, keinen Strom und keine Geräte. Der Name beschreibt nur Corrigans Modell, nach dem frühe Reaktionen tief im Gehirn ablaufen.
Was ist der Unterschied zwischen DBR und Brainspotting?
Brainspotting nutzt meist eine länger gehaltene Blickposition. DBR achtet auf eine feine Anspannung an Augen, Stirn oder Nacken und verfolgt Schritt für Schritt, was danach geschieht.
Ist DBR bei PTBS wirksam?
Eine erste kontrollierte Studie mit 54 Menschen zeigte deutliche Verbesserungen im Vergleich zu einer Warteliste. Vergleiche mit bewährten Verfahren fehlen noch. Ob DBR für Sie passt oder ein anderes Verfahren sinnvoller ist, klären wir im Erstgespräch.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten bei einem Heilpraktiker nicht. Private Versicherungen und Zusatzversicherungen erstatten je nach Tarif teilweise. Die Honorare finden Sie auf der Seite Honorar.
Roman Simeunovic
Heilpraktiker, Praxis für Psychotherapie und Traumatherapie in Wuppertal
Ich begleite Menschen mit Traumafolgen, Ängsten und belastenden Lebenssituationen und arbeite integrativ, unter anderem mit EMDR, Brainspotting, Ego-State-Therapie, systemischer Traumatherapie und Elementen aus DBR. Die Inhalte auf dieser Seite habe ich fachlich geprüft, damit Sie vorab einschätzen können, ob meine Arbeitsweise zu Ihnen passt.